Cupido - Jilliane Hoffmans Thriller und erster Bestseller

Gleich mit ihrem Debütroman "Cupido" etablierte sich Jilliane Hoffman als Bestsellerautorin. Trotz einiger Schwächen liest sich der Thriller spannend.

Von 0 auf 1. Dieses Kunststück vollbrachte die US-Amerikanerin Jilliane Hoffman mit ihrem 2004 erschienenen Debütroman "Cupido", der sofort die Bestsellerlisten stürmte. Seither ist die ehemalige Staatsanwältin nicht mehr aus dem Thrillergenre wegzudenken. „Cupido“ folgten die Romane „Morpheus“, „Vater Unser“ sowie „Mädchenfänger“, die sich gleichfalls die Spitzenplätze der Bestsellerlisten sicherten.

Dabei erweist sich ihr erster Roman „Cupido“ als konventioneller Thriller rund um die Jagd auf einen Psychopathen, der bereits elf Frauen bestialisch tötete. Eingedenk aller Mängel bietet das Buch spannendes Lesevergnügen für viele Stunden. Alleinstehende Frauen sollten den Roman jedoch besser nicht nach Einbruch der Dunkelheit zu lesen beginnen …

Sein Name: Cupido. Seine Passion: Frauenherzen.

Für die junge und attraktive Jurastudentin Chloe sollte ein scheinbar ganz gewöhnlicher Abend im Jahr 1988 zum Beginn eines lebenslangen Alptraums werden. Nachdem sie sich an der Haustür ihres Apartments von ihrem Freund Michael verabschiedet hat, betritt sie die Wohnung, in der bereits jemand sehnsüchtig auf ihre Rückkehr gewartet hat. Während Chloe noch ganz in Gedanken versunken Groll auf ihren Freund hegt, weil dieser ihr wider Erwarten keinen Heiratsantrag machte, schleicht sich ihr Schicksal in Gestalt eines vermummten Vergewaltigers an sie heran. Ehe sie weiß, wie ihr geschehen ist, befindet sich die junge Frau in der Gewalt eines Unbekannten, dessen Clown-Maske sich unauslöschlich in ihr Gedächtnis brennen wird.

Nur dank eines Zufalls kommt Chloe nach stundenlanger Folter mit dem Leben davon. Doch nach dieser Nacht endlosen Schreckens ist sie nicht mehr dieselbe wie vorher. Sie ändert ihren Namen auf C.J. Townsend und mausert sich rasch zur respektierten Staatsanwältin ohne Vergangenheit. Denn niemand darf wissen, was ihr 1988 zustieß. Aber 12 Jahre später holt sie ihre verhasste Vergangenheit ein, als ihr ein Mordverdächtiger vorgeführt wird. Nur mühsam kann sie die Fassung bewahren, nachdem sie seine Stimme gehört hat. C.J. kennt die Stimme: Es ist die Stimme hinter der Clown-Maske!

Für die innerlich völlig aufgelöste Staatsanwältin beginnt ein Interessenskonflikt. Dem Gesetz nach müsste sie den Fall wegen Befangenheit ablehnen. Doch sie darf nicht zulassen, dass dieser Mann, der plötzlich sogar in Verdacht gerät der berüchtigte Serienkiller „Cupido“ zu sein, jemals wieder aus der Haft entlassen wird. Sie zieht alle Register ihres Könnens, um den Mann belasten zu können. Womit sie aber nicht rechnen konnte: Auch er hat sie wiedererkannt – und dieses Wissen nützt er, um C.J. in ein psychologisches Katz-und-Maus-Spiel zu verwickeln …

Ihr Name: Chloe, alias C.J. Townsend. Ihre Berufung: Cupido fassen

Natürlich ist es alles anderes als originell, eine Thriller-Protagonistin ins Visier eines Serienkillers zu rücken. Dennoch gelingt es Jilliane Hoffman, diesem Standardsujet eine erfrischend andere, wenngleich unerfreuliche Facette abzugewinnen. Staatsanwältin C.J. Townsend muss zu unlauteren Mitteln greifen, um Cupido Herr zu werden, womit sie sich auf eine moralisch bedenkliche Ebene begibt. Der Zwiespalt, einerseits dem Gesetz dienen zu müssen, andererseits verständliche Rachegelüste zu verspüren, überträgt sich äußerst glaubhaft auf den Leser,

Besonders erfreulich ist der Umstand zu bewerten, dass es sich Hoffman bei der Charakterisierung ihrer tragischen Heldin nicht allzu einfach macht, indem sie ihr das Mäntelchen des steten Mitleids umhängt. Im Gegenteil: Mitunter erscheint die Protagonistin ungerecht und kaltherzig jenen gegenüber, die ihr wohlgesonnen sind.

Weitaus weniger gelungen ist die Federführung bei der Figurenzeichnung des als „Cupido“ verdächtigten Mannes. Dieser entspricht dem Klischee des bösartigen Antagonisten, dem keinerlei positive Eigenschaften zugeschrieben werden. Zwar liegen die Sympathien klarerweise ohnehin auf Seiten der geschundenen Protagonistin. Aber gerade im Gefolge der „Hannibal“-Serie von Thrillerkollege Thomas Harris sollte eine etwas differenzierte Darstellung des Bösen zum guten Ton auf der Klaviatur des Nervenkitzels gehören.

Spannender Pageturner, dem ein würdiger Abschluss fehlt

Stilistisch reiht sich „Cupido“ in die Riege der solide geschriebenen Thriller ohne besondere Finessen, wie sie zuvor erwähnter Thomas Harris gerne auf die Spitze treibt, ein. Die Handlung wird auch dank des flüssigen Stils temporeich vorangetrieben. Unübersehbar ist dabei ein Reifeprozess, der zum stilistisch weitaus interessanter zu lesenden „Mädchenfänger“ führt. „Cupido“ ist ein typischer Pageturner: Einmal begonnen, kann man das Buch nicht mehr weglegen, bis man endlich auf der letzten Seite angekommen ist.

Und hier zeigt sich die größte Schwäche von „Cupido“: Der Plottwist ist denkbar hanebüchen und steht mit dem zuvor Geschilderten kaum in irgendeinem Zusammenhang. Sprich: Anstatt den Twist nachvollziehbar aufzubauen, wird dieser wie aus dem Nichts eingeführt und abgehandelt. Beinahe erweckt dieser den Eindruck, Jilliane Hoffman hätte sich plötzlich in die Sackgasse geschrieben und nur noch nach einem halbwegs befriedigenden Ende getrachtet. Ein Problem, an dem auch ihr Thriller „Mädchenfänger“ laboriert. Es wäre nicht nur Hoffman, sondern vor allem den Lesern zu wünschen, dass sie diese Problematik der schwachen Endpassagen künftig vermeiden und solide, tatsächlich überraschende Abschlüsse schreiben kann.

Fazit: Gerade für einen Debütroman erstaunlich ausgereifter Thriller, dem am Schluss die Luft ausgeht. Zwar erreicht „Cupido“ nicht die Klasse von „Mädchenfänger“, vermag aber dank der sehr glaubwürdigen Charakterisierung der Protagonistin durchaus zu überzeugen.

Jilliane Hoffman – „Cupido“ erschienen als rororo Taschenbuch, 480 Seiten. Euro 9,95

Rainer Innreiter, Rainer Innreiter

Rainer Innreiter - 1972 in einem kleinen Ort nahe der oberösterreichischen Landeshauptstadt Linz geboren, entdeckte Rainer Innreiter seinen Hang zu ...

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